Du lernst heute zwanzig neue Vokabeln und nach einer Woche erinnerst du dich nur noch an fünf? Das ist völlig normal. Unser Gedächtnis vergisst Neues schnell, wenn es nicht wiederholt wird. Spaced Repetition, zu Deutsch verteilte Wiederholung, nutzt genau diese Eigenschaft und sorgt dafür, dass Vokabeln dauerhaft im Kopf bleiben.
Die Vergessenskurve
Bereits im 19. Jahrhundert untersuchte der Psychologe Hermann Ebbinghaus, wie schnell wir Gelerntes vergessen. Das Ergebnis: Ohne Wiederholung geht ein großer Teil des Neuen schon in den ersten Tagen verloren. Wiederholst du es aber im richtigen Moment, sinkt die Kurve danach viel langsamer. Mit jeder Wiederholung hält das Wissen länger.
So funktioniert Spaced Repetition
Die Idee ist einfach: Du wiederholst ein Wort nicht jeden Tag, sondern in immer größer werdenden Abständen, genau dann, wenn du es fast vergessen hättest. So brauchst du insgesamt viel weniger Wiederholungen und verbringst die meiste Zeit mit den Wörtern, die dir schwerfallen.
Wort neu lernen
erste Wiederholung
zweite Wiederholung
dritte Wiederholung
vierte Wiederholung
Kontrolle, das Wort sitzt im Langzeitgedächtnis
Weißt du ein Wort bei einer Wiederholung nicht, beginnt es wieder mit kurzen Abständen. Das ist kein Rückschritt, sondern genau der Mechanismus, der die Methode so wirksam macht.
Mit welchen Werkzeugen es am besten klappt
Karteikasten auf Papier
Das klassische System nach Sebastian Leitner mit fünf Fächern. Günstig, ohne Bildschirm und gut für alle, die gern mit der Hand schreiben. Wie du es aufbaust, steht unter Karteikarten Spanisch.
Anki
Die bekannteste Karteikarten-Software, am Computer kostenlos. Anki berechnet die Abstände automatisch und kann Audio und Bilder einbinden. Etwas Einarbeitung ist nötig.
Vokabeltrainer in Apps
Viele Sprach-Apps nutzen Spaced Repetition im Hintergrund, etwa der Vokabeltrainer in Habloo. Praktisch, weil die Wörter direkt aus deinen Lektionen und Videos stammen.
So setzt du die Methode richtig ein
- Täglich wiederholen: Fällige Karten nicht aufschieben, sonst stapeln sie sich.
- Wenige neue Wörter: Zehn bis 20 neue Karten pro Tag reichen völlig.
- Aktiv abrufen: Sag die Antwort laut, bevor du die Karte umdrehst.
- Ehrlich bewerten: Wer „fast gewusst“ als richtig zählt, betrügt nur sich selbst.
- Sätze statt Einzelwörter:Tengo hambre bleibt besser hängen als hambre.
Wie viel Zeit brauchst du?
Rechne mit etwa zehn bis 20 Minuten pro Tag. Anfangs ist es weniger, nach einigen Wochen pendelt sich die Zahl der fälligen Wiederholungen ein. Wer täglich zehn neue Wörter lernt und konsequent wiederholt, baut in einem Jahr einen aktiven Wortschatz von über 3.000 Wörtern auf. Wie viele Wörter du für welches Niveau brauchst, erklärt der Beitrag Wie viele Vokabeln braucht man für Spanisch?
Die Grenzen der Methode
Spaced Repetition ist hervorragend für Wortschatz und feste Wendungen. Grammatik verstehen, Hörverstehen und freies Sprechen lernst du damit aber nicht. Kombiniere die Methode deshalb mit strukturierter Grammatik und viel echtem Spanisch. Einen Wochenplan mit allen Bausteinen findest du im Beitrag Spanisch Lernplan.
Fazit
Spaced Repetition ist die effizienteste Methode, um Vokabeln dauerhaft zu behalten: wenige neue Wörter, tägliche Wiederholung und wachsende Abstände. Die passenden Wörter für den Anfang findest du nach Themen sortiert im Handbuch „Spanisch von Grund auf“, zusammen mit allen Grammatikthemen für A1 und A2.




